Cross-Media

Die Macher des Lektoren-Hand­buchs »Bücher machen« wollten selbst einmal aus­probieren, was es bedeutet, ihr Werk in die digitale Welt zu überführen – von der Idee über die Pro­duktentwicklung bis zum Vertrieb. Zusammen­getan hatte sich dafür ein Expertenteam um den Verleger Klaus-W. Bramann und schickerling.cc. Sie wollten wissen: Lassen sich innovative Verlagsprojekte auch mit kleinem Budget in kurzer Zeit realisieren?

Hohe Erwartungen und ein mutiges Experiment

Bücher machen bedeutet heute sehr viel mehr als zehn Jahre zuvor: E-Books, Apps und andere Medienprodukte sind neben das gedruckte Buch getreten. E-Reader, Smartphones und Tablet-Computer bieten enorme technische Möglichkeiten, Bücher attraktiv aufzubereiten und nützlichen Mehrwert zu schaffen, zum Beispiel als »Enhanced E-Book« mit zusätzlichen multimedialen oder inter­aktiven Inhalten.

Zugleich wachsen die Ansprüche der Kunden: Wer ein teures und leistungsfähiges elektronisches Gerät besitzt, möchte dessen Vorteile auskosten und sucht keine langweilige Kopie eines statischen Printprodukts. Digitale Angebote, welche keine der neuen Möglichkeiten nutzen, Texte nahezu unverändert auf den Bildschirm bringen und lieblos aufgemacht sind, haben somit kaum eine Berechtigung. Für jeden Verlag stellt die technische Entwicklung ein großes Wagnis dar – und bietet zugleich neue Chancen.

Apps oder E-Books müssen jedoch anders konzipiert werden als gedruckte Bücher. Schnell war klar, dass es weder ausreichen würde noch interessant genug wäre, einfach die gedruckten Inhalte von »Bücher machen« auf einer anderen Plattform wiederzugeben. Eine Smartphone-App sollte es sein, und diese sollte einen echten Mehrwert bieten: ein praktisches Tool zur Projektüberwachung, das sich an den Bedürfnissen von Verlagslektoren orientiert, leicht zu bedienen und optisch an­sprechend. Der »pocketEditor« war geboren!

Realitätssinn und verbindliche Planung

Viele Medienprojekte in Verlagen scheitern an überlangen Entwicklungszeiten und ausufernden Kosten. Das pocketEditor-Team rwollte beweisen, dass es auch anders geht: Es wollte die App innerhalb weniger Monate bis zur Frankfurter Buchmesse entwickeln und das mit einem vorab fixierten Budget.

Nicht alles, was technisch machbar und wünschenswert ist, ließ sich sofort umsetzen. Wichtigs­te Voraussetzung für das Gelingen des Projekts war also eine realistische Definition des gewünschten Leistungsumfangs und ein verbindlicher Zeitplan – eigentlich genauso wie bei der Konzeption klssischer Buchprojekte.

Anders verkaufen und global denken

Die Vermarktung einer Smartphone-App folgt anderen Regeln als im Buchgeschäft. Es galt mithin, grundlegende Fragen zu klären – von der Platzierung im App-Store bis zur optimalen Preisgestaltung. Während die weltweite Verbreitung von Büchern einen hohen Aufwand bedeutet, sind andere Länder mit nur einem Klick erreichbar. Um herauszufinden, wie sich ein bisher auf den Heimatmarkt begrenz­tes Angebot international platzieren lässt, ist eine englisch­sprachige Version des pocketEditors in Planung. Denn schnell hat sich gezeigt: Kunden finden sich auf der ganzen Welt!

Unternehmerischer Mut und kollektives Lernen

Wer heute erprobte Antworten auf die Herausforderungen der Mediendigitalisierung sucht, wird so schnell nicht fündig werden. Gebraucht wird vielmehr der Mut zum verantwortungsvollen unternehmerischen Risiko. Für den Bramann Verlag und schickerling.cc hat sich dieser Mut, frische Wege zu beschreiten, ausgezahlt: mit neuen Erfahrungen und einem innovativen Produkt. Und sie haben den Beweis erbracht, dass sich spannende digitale Verlagsprojekte auch mit kleinem Budget in kurzer Zeit verwirklichen lassen.

info

Presse:

»Gut geklappert: Von der Kunst verführerischer Klappentexte« (Börsenblatt, 14.6.2018)

»14«: Podcast mit Daniela Preiß (14.4.2019 und 14.5.2019)

Nächste Seminare:

12.–17.11.2019: Lektorenseminar